Als erste inklusive Jugendherberge Deutschlands startete 2012 der Betrieb in Leer durch. Zwei Jahre später folgte das Haus in Aurich – beide gehören zum Embrace-Verbund. Ein Gespräch mit dem Initiator Marcus Heisterkamp.

Seit 1995 arbeitet Marcus Heisterkamp beim Deutschen Jugendherbergswerk (DJH), ein Quereinsteiger mit einer besonderen Begeisterung für die Idee der Inklusion. Der 47-Jährige zeichnet als Regionalleiter für die Standorte Aurich, Leer und Bad Zwischenahn im DJH-Landesverband Unterweser-Ems verantwortlich.

Sie haben ein bestehendes Haus in einen Inklusionsbetrieb umgewandelt. Worauf kommt es dabei besonders an?
Für mich ist unser „Inklusionsprojekt“ längst ein Leuchtturmkonzept, das eine Strahlwirkung und Vorbildfunktion für andere übernimmt. Wir haben 2011 begonnen, das Haus umzubauen. Weil der Zustand des Gebäudes eine Sanierung und Erweiterung notwendig machte, konnte der Personalschlüssel angepasst werden. Heute verfügt das Haus über ein starkes Seminarprofil und generiert dort Zusatzumsätze. Das Interesse der Öffentlichkeit war von Beginn an groß, und wir sind dankbar dafür, 2014 mit dem Rudolf-Freudenberg-Preis ausgezeichnet worden zu sein.

2015 folgte der Inklusionsbetrieb in Aurich. Wie wurde dieser angenommen?
In Aurich handelt es sich um eine Jugendherberge mit starkem Sportprofil, die Gäste sind zu fast 50 Prozent Schulklassen. Die Personalstruktur war sehr ähnlich, und nach dem Umbau hat auch jeder zweite Beschäftigte eine Beeinträchtigung.

Mehr als fünf Jahre sind seit dem inklusiven Neuanfang vergangen. Welches Fazit ziehen Sie?
Am Anfang habe ich viel darüber nachgedacht, wie viele Schwierigkeiten wohl auf uns zukommen würden. Rückblickend stelle ich fest, dass Herausforderungen, die in der Beeinträchtigung eines Mitarbeiters begründet sind, sich meist schnell lösen lassen. Sei es durch eine Anpassung im Equipment oder die Veränderung von Abläufen. Mit unseren Gästen wiederum erleben wir, wie wichtig es ist, flexibel zu sein, miteinander zu sprechen und zu zeigen, worauf wir beim Umgang mit Schwerbehinderten Wert legen.

Wohin geht die Reise, was kommt als Nächstes?
In Leer geben wir vielen Praktikanten eine Perspektive und in Aurich schaffen wir bald ebenfalls Ausbildungsplätze. Wir haben unser inklusives Service & Booking Center in Bremen eröffnet, das – wie bereits der Betrieb in Aurich – durch die Aktion Mensch gefördert wird. Für 2019 planen wir in Oldenburg zudem eine 250-Betten-Jugendherberge mit voraussichtlich zehn bis zwölf Arbeitsplätzen für Schwerbehinderte – selbstverständlich auch ein Embrace Haus.

Zurück